Handmühle im Test: Knock Aergrind

Die Knock Aergrind ist die hochwertigste Mühle auf dem Markt, die noch in den Kolben einer AeroPress hineinpasst. In diesem Artikel gehe ich auf die einzelnen Besonderheiten dieser Handmühle ein.

Vor einigen Wochen war ich bei einem Freund, um mit ihm zusammen eine tagelange Kaffee-Session zu zelebrieren. Motiviert, wie ich war, fuhr ich auf dem Fahrrad zu ihm auf den Berg. Aufgrund der Transportabilität und meines gelebten Minimalismus hatte ich mir bereits früher eine Handmühle zugelegt. Denn ich wusste, dass ich sie leicht von A nach B transportieren kann, die Handmühle wenig Platz wegnimmt und aufgrund des niedrigen Preises im Gegensatz zu einer hochwertigen elektrischen Mühle den perfekten Einstieg in das Kaffeemachen ist.

Links Porlex Tall 2, rechts Knock Aergrind

Hierbei handelt es sich um eine Kaffeemühle von Porlex, Modell Tall 2, welche mit einem Preis bei diversen Online-Händlern von unter 70 € erschwinglich ist, allerdings nicht das untere Ende der Fahnenstange darstellt. Es existieren vieeel billigere Handmühlen auf dem Markt, die überraschend viele sehr gute Bewertungen haben. Das ist weniger suspekt, wenn man weiß, dass viele chinesische Händler sich 5-Sterne-Bewertungen kaufen im Gegenzug zu einer Kaufpreiserstattung. Darum soll es allerdings nicht gehen. Die Porlex Tall 2 passt in eine AeroPress hinein und nimmt verstaut wenig Platz weg.

Zurück zur Kaffee-Session. Wir bereiten einen Haufen verschiedener Kaffees in der AeroPress zu und mittlerweile hatte ich den Dreh raus, mit diesem simplen Wunderwerk der Ingenieurskunst und der Porlex Tall 2 einen wirklich guten Kaffee zuzubereiten. Doch das Ergebnis war bei leicht veränderten Mahlgradeinstellungen nicht reproduzierbar, sondern der Kaffee hat immer anders geschmeckt. Mal eher sauer, dann bitter dann wieder beides. Das war allerdings nur beim Einsatz meiner Handmühle reproduzierbar. Nachdem wir ausgeschlossen hatten, dass es auch an unserer Methode mit der AeroPress lag, haben wir uns das Kaffeemehl genauer angesehen. Wir kamen auf die Idee, das Kaffeemehl aus dieser Mühle durch ein paar Siebe zu lassen, um zu schauen, ob die qualitativ hochwertige Mühle meines Freundes mit meiner im Vergleich dazu lächerlich billigen und kleinen Handmühle sich signifikant unterschied. Das Ergebnis war schockierend.

Während die hochwertige Mühle meines Freundes ein Kaffeemehl erzeugte, welches von der Partikelgröße im typischen Spektrum einer hochwertigen Mühle lag mit recht wenig ausgesiebten besonders riesigen oder feinen Partikeln, zeigte die Porlex Tall 2 ein anderes Bild. Sie erzeugte im Vergleich riesige Brocken Kaffee>>mehl<<, dafür eher wenig sehr feine Partikel. Nachdem wir diese ausgesiebt hatten, war von meinem Kaffeemehl nicht mehr als von der ursprünglichen Menge die Hälfte übrig. Mit dem übrigen Kaffeemehl ließ sich einfach auch mit der anderen Mühle vergleichbarer Kaffee machen und der Kaffee wurde im Geschmack reproduzierbar. Doch der hohe Verlust durch das Sieben ließ mich stutzig werden. War diese Handmühle vielleicht nicht so gut, wie ich gedacht habe?

Nach weiterem Herumprobieren mit der Mühle inkl. Sieben habe ich entschieden, mir eine hochwertigere Handmühle zu kaufen, um bessere Ergebnisse zu haben und Kaffee, der immer gleich schmeckt - sofern man dieselbe Methode und dieselben Bohnen verwendet. Die Suche zog sich etwas hin, denn es gibt überraschend viele gute Handmühlen und es ist leicht, bis zu 300,- € auszugeben (Commandante MK3, schickes Teil). Es war aber nicht mein Ziel, die allerbeste Handmühle zu kaufen, die die Welt je gesehen hatte, sondern ich hatte andere Anforderungen: Sie musste auch in die AeroPress passen, denn das ist aktuell meine bevorzuge Methode, um Kaffee zuzubereiten. Zusammen verstaut lässt sich nämlich leicht ein gesamtes Ausrüstungsset problemlos im Rucksack transportieren. Nicht ohne Grund ist die AeroPress so beliebt bei vielen Baristas, die auf Reisen gehen. Die einzige Handmühle, welche diesen Anforderungen entspricht und konsistente Mahlergebnisse liefert, war die Knock Aergrind.

Willkommen neue Handmühle - das ist die Aergrind

Für nicht ganz so günstige 135,- € zum Kaufdatum war die Aergrind auf dem Weg zu meinem Zuhause. Schlichte Verpackung, mehr als die Handmühle plus ein paar Ersatzgummiabdichtungen ist wenig mitgeliefert. Selbst eine Bedienungsanleitung fehlt, was einige verwirren dürfte, die sich diese Handmühle zulegen.

Gemäß Hersteller fasst die Mühle zwischen 25 und 30g Kaffee. Aus Erfahrung kann ich sagen, dass man eher mit den 25 als mit 30g rechnen kann - zumindest mit den Bohnen, die ich bisher hatte. Wenn man 30g Kaffeebohnen mahlen wollte, muss man somit gegebenenfalls zweimal einfüllen. Der Mahlbehälter unten an der Mühle hat allerdings ausreichend Volumen für über 30g Bohnen.

Aergrind von oben

Zum Vergleich: Die Porlex hingegen konnte über 35g Bohnen fassen. Mehr habe ich selbst sonst nicht gemahlen.

Im Gegensatz zur Porlex ist auch die statische Aufladung bei niedrigen Mahlgraden bemerkbar. So bleibt das Kaffeemehl oft um den Ausgang des Mahlwerks statisch kleben. Das ist allerdings nicht schlimm. Mit etwas schütteln oder einem Pinseln lässt sich das Kaffeemehl leicht entfernen.

Vergleich der Mahlwerke der Porlex Tall und Aergrind

Der Mahlgutbehälter sitzt übrigens von sich aus bombenfest. Das ist gut, denn dadurch verschiebt man beim Mahlen nicht ständig das Unterteil oder bekommt Angst, dass es beim Mahlen von allein herunterfällt - was bei der Porlex eindeutig ein Risiko ist. Wenn man bei der Aergrind zum ersten Mal den Mahlgutbehälter mit dem Mehl entfernt, sollte man vorsichtig sein. Ein bisschen zu viel Krafteinsatz und das Kaffeemehl verteilt sich auf Kleidung oder Arbeitsoberfläche.

Die Mühle macht in der Hand einen wertigen Eindruck. Aufgrund des hohen Gewichts von über 300g und der durchgängig exzellenten Verarbeitung hat man das Gefühl, Wertarbeit in der Hand zu halten, die auch ein paar Stürze überlebt.

Weiter geht's mit dem wichtigen Teil weiter: Das Mahlen.

Einstellung des Mahlgrads

Wie man die Mühle einstellt, ist die erste Frage, die einem durch den Kopf geht. Dazu wird das D-förmige Loch auf den gleich geformten Stecker aufgesetzt. Der Kurbelarm muss zum Einstellen der aufgedruckten Skala aufgesetzt sein, sonst dreht beim Drehen der Skala nur das Mahlwerk mit und stellt es nicht. Die Skalenabdeckung der Aergrind ist nummeriert, damit man weiß, auf welcher auf Einstellung man sich befindet. Wenn der Kurbelarm aufgesetzt ist, zeigt die kleine Ausbuchtung des Kurbelarms die Einstellnummer an. Wenn man den Kurbelarm aufgesetzt hat, hält man die Skalenabdeckung fast und dreht man nach rechts (im Uhrzeigersinn), um den Mahlgrad zu erhöhen und die Partikel feiner zu mahlen; dreht man nach links (gegen den Uhrzeigersinn), verringert das den Mahlgrad und die Partikel werden gröber.

Auf dem Nullpunkt - man sieht, dass die innere Scheibe fast bündig ist mit dem äußeren Bereich

Für den Start ist es wichtig, dass man den Nullpunkt kennt. An diesem Punkt lässt sich die Mühle nicht mehr feiner einstellen. Dafür dreht man den Regler nach links, bis es nicht mehr weitergeht und die Unterseite (das Mahlwerk) eben aussieht. Wenn die Unterseite eben ist, steht der Zeiger auf oder nahe bei 1. Dies variiert laut Hersteller leicht von Benutzer zu Benutzer, je nachdem, wie stark das Einstellrad angezogen ist. Fester muss man nicht anziehen, da die Einstellung vom Hersteller vorkontrolliert wird und der Wert um die 1 der gewünschten Festigkeit der angezogenen Spannung entspricht.

Die Empfehlung des Herstellers lautet, dass man die Mühle auf diese Einstellung bringt und danach das Zifferblatt des Mahlwerkdeckels um eine volle Umdrehung zu drehen - bei eingesetztem Kurbelarm. Bei dieser Einstellung fühlt man ein paar Bohnen in die Mühle und lässt sie durch, um zu sehen, wie fein der Kaffee im Gegensatz zu anderen Mühlen ist. Es ist unwahrscheinlich, dass man einen feineren Mahlgrad als diesen für die bevorzugte Brühmethode benötigt.

Die ungewöhnliche Skala

Nun etwas zu der Skala. Am Anfang dachte ich, dass die Skala >>nur<< von 1 bis 12 geht, wie man es von anderen Mühlen kennt. Man stellt auf der Skala einen festen Wert ein und der geht eben von 1 bis 10 oder 12 oder 360, abhängig von der Mühle. Bis ich mir ein paar Videos ansah und feststellte, dass man die Skala mehrere Runden drehen kann. Man kann bis zu vier Runden die Kurbel drehen, bis man zu der gröbsten Einstellung kommt.

Da jeder hat einen eigenen Geschmack, anderen Kaffee und andere Ausrüstung hat, sind die folgenden Angaben des Mahlgrads Anhaltspunkte, an denen man sich orientieren kann. Sie sind allerdings nicht festgeschrieben.

Die Angabe der Einstellung des Mahlgrads wird mit einer Formel angegeben:

2[Umdrehung]:4 [Zahl auf dem Ziffernblatt]

Das hilft, unter Besitzern derselben Mühlen ein vergleichbares Mahlgut zu erreichen. Wenn man die eigenen Mahlversuche notiert, Freunde mit derselben Mühle trifft oder online nach vorgefertigten Einstellungen sucht, hilft das der Vergleichbarkeit.

Für verschiedene Zubereitungsmethoden sind dies die Ansatzpunkte für den Mahlgrad. Je nach Kaffee, Wasser oder sonstigen Variablen muss der Mahlgrad allerdings angepasst werden:

  • Espresso: 0:9 bis 1:10 (Achtung: Häufig viel Kaffee damit zu mahlen ist anstrengend und das muss man mögen 😉)

  • Espressokanne/Aeropress: 2:4

  • V60/Filter: 2:10

  • French Press: 3:0 bis 4:0

Der erste Einsatz

Je nach Gebrauch wird im Laufe der ersten Woche nach Angabe des Herstellers die Mühle schneller abnutzen als in Zukunft. Das ist normal und bei jeder Mühle so. Am Anfang ist der Abrieb hoch, später normalisiert er sich. Deshalb muss man den Mahlgrad eventuell etwas enger stellen, um dieselbe Mahlstärke zu erreichen. Theoretisch kann man den Prozess beschleunigen, indem man ein paar Gramm ungekochten Reis durch die Mühle lässt, aber man macht das immer besser mit Kaffee.

Reinigung

So gern ich aus Bequemlichkeit am liebsten mein gesamtes Geschirr und Besteck in den Geschirrspüler werfen würde, so gibt esmanche Gegenstände, die sich dafür aufgrund der Chemikalien in den Reinigungsmitteln nicht eignen.

Deshalb gilt:

Warnung Mühlen gehören nicht in den Geschirrspüler

Man sollte Mühlen generell auch nicht unter den Wasserhahn halten. Dadurch fangen manche Mühlen an zu rosten. Selbst wenn sich die Mühlen wie die Aergrind nur aus eloxiertem Aluminium und (lackiertem?) Edelstahl hergestellt werden, bringt eine Reinigung damit wenig. Verschiedene Partikel bleiben haften. Deshalb sollte man die Mühle manuell reinigen, indem man sie trocken bürstet oder nur leicht mit einem feuchten Tuch abwischt.

Um an das Mahlwerk zu kommen, nimmt man den Kurbelarm ab, lässt aber den Ziffernblattdeckel aufgesetzt. Diesen benutzt man, um das Metallteil, in das er greift, die Skalenmutter, abzuschrauben. Dadurch wird das innere Mahlwerk abgesenkt und der Zugang erleichtert. Schließlich hebt sich die Skalenmutter und der Deckel ab und die Welle bleibt mit einem kleinen schwarzen O-Ring zurück, der verhindert, dass sie vollständig durch die Lager herausfällt.

Warnung Den O-Ring der Welle nicht entfernen. Er ist zu klein und fragil, um ihn unbeschadet entfernen und wieder anzubringen.

Dieser Zugang sollte ausreichen, um das Mahlwerk mit einer alten Zahnbürste oder einem feinen, festen Pinsel abzubürsten. Falls dir diese Art der Reinigung nicht ausreichen sollte, empfiehlt der Hersteller eine Reinigung mit speziellen Kaffeemühlen-Reinigungsmitteln wie Urnex Grindz oder Puly Verde. Alternativ kann man gelegentlich trockenen Reis mahlen, aber aufgrund der höheren Härte ist die Abnutzung mit Reis höher.

Ein weiterer kleiner Hinweis:

Ein weiterer, kleiner Hinweis Unter dem oberen Lager befinden sich ein paar sehr dünne Metallunterlegscheiben. Diese stellen sicher, dass der Skalenanzeiger an der richtigen Position ist. Ohne diese Unterlegscheiben funktioniert die Mühle einwandfrei, aber die Skala ist verschoben. Ihre Position und Ebenheit müssen geschützt werden, um sicherzustellen, dass die Skala korrekt nullt. Meist wird man sie nicht einmal sehen, aber es könnte sein, dass sie beim Reinigen mit dem Lager aus der Aussparung herausrutschen. Das ist nicht schlimm. Man sollte sie allerdings an ihre ursprüngliche Position zurückschieben und sicherstellen, dass das Lager vollständig in der Aussparung sitzt, bevor man die Skalenmutter herunterdreht.

Wartung

Da das Mahlwerk fest in die Mühle eingespannt ist, kann man es nicht einfach so von Hand wechseln. Laut Hersteller ist das Mahlwerk allerdings so bemessen, dass man 500 bis 1.000g pro Woche für 5 bis 10 Jahre mahlen kann, bevor es ersetzt werden müsste. Das sollte für die allermeisten von uns ausreichen, ohne im gesamten Leben ein frisches Mahlwerk einsetzen zu lassen. Man muss allerdings mit einer Abnutzung des Mahlwerks rechnen, sodass man mit der Zeit den Mahlgrad anhand der Skalenabdeckung nachjustieren muss.

Es kann außerdem erforderlich sein, dass die Lager ausgetauscht werden müssen. Nach Herstellerangaben ist das Produkt allerdings noch nicht lang genug im Handel, um eine Erkenntnis zu haben, wie oft das vorkommt. Die Lager sind wohl handelsüblich und haben eine Standardgröße, dennoch sollte man erst den Hersteller oder Verkäufer diesbezüglich kontaktieren.

Fazit

Es hat sich wirklich gelohnt, mir eine neue Handmühle zuzulegen. Auf dem Markt mögen bessere Handmühlen existieren, doch sie a) kosten mehr und b) eignen sich nicht, um in der AeroPress untergebracht zu werden. Seit ich die neue Mühle habe, lässt sich spür- und reproduzierbar guter Kaffee mahlen und das mit allen Mahlgrad-Einstellungen.

Jeder, der eine günstige Handmühle oder überlegt, sich eine solche zu kaufen, sollte ich zweimal deren Besitz überlegen. Das Problem ist oft, dass das Mahlgut nicht immer gleich ist und man damit trotz gleicher Methodik und Herangehensweise unterschiedliche Geschmacksstoffe extrahiert und der Kaffee immer etwas anders schmeckt. Mit einer guten Mühle lässt sich dieses Frustrationspotenzial vermeiden und zukünftige Experimente sind wiederholbar.

Jeder, der den Platz hat, darf gern zu einer elektrischen Kaffeemühle greifen. Hier ist es wie immer wichtig, eine hochwertige Mühle zu kaufen. Diese Mühlen lassen sich allerdings nicht ganz so gut transportieren. Dafür ist es mit ihnen leicht, schnell und viel Kaffee zu mahlen. Das kann eine Handmühle nicht bieten. Sie hat weniger bewegliche Teile und geht dementsprechend weniger schnell kaputt, dafür ist das Mahlen echte Handarbeit. Das Feeling muss man allerdings wollen 🙃